Teterow – Mecklenburg-Western Pomerania (German)

Location: Mecklenburg-Western Pomerania
About this community: Die ersten Juden lebten in Teterow im Mittelalter. Wie in zahlreichen anderen mecklenburgischen Städten auch, wurden Ende des 15. Jahrhunderts Juden in Teterow wegen der Anklage der Hostienschändung nach Folterungen verurteilt und auf dem Scheiterhaufen mit ihren Familien und der ganzen Gemeinde qualvoll getötet. Über zweihundert Jahren lang wurden in Mecklenburg keine Juden zugelassen. Eine Neuansiedlung von privilegierten Schutzjuden in Teterow erfolgte im 18. Jahrhundert. In sogenannten "Judenakten" sind die langwierigen Verhandlungen der jüdischen Gemeinde mit der Stadt über die Anlage eines Begräbnisplatzes dokumentiert. 1805 wurde die Synagoge im Garten des Schneidermeisters Karl Oesterreich in der Großen Knickhäger Straße 20 gebaut. Die Stadt achtete darauf, dass die nötigen Abstände von 44 Fuß Länge und 37 Fuß Breite, heute ca. 15 m x 12 m, zu den Nachbarn eingehalten wurde. Aus dem "Mecklenburg Schwerinschen Staatskalender", dem statistischen Jahrbuch der damaligen Zeit, ist zu ersehen, dass die jüdische Gemeinde bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts stetig anwuchs. 1810 waren von 1.336 Einwohnern 68 Juden, 1850 von fast 4.000 Einwohnern 114 Juden, die höchste Zahl der jüdischen Gemeinde von Teterow. Danach ging die Anzahl der in Teterow lebenden Juden bei gleichzeitig ansteigender Bevölkerungszahl kontinuierlich zurück. Die meisten im Ort lebenden Juden waren Kaufleute, einige wenige Handwerker. Durch Marcus Isaak aus Malchin und Leib Hirsch aus Teterow wurde das Wollgeschäft begründet und durch Verbindungen mit dem Ausland Mecklenburgs Wollexport zur Blüte gebracht, wodurch viel Geld ins Land floss.
1933 lebten von 8.058 Einwohnern noch 17 Juden in Teterow. Die Abwanderung in den vorangegangenen Jahrzehnten hatte wie bereits in dem Kapitel "Geschichte der Juden in Mecklenburg-Vorpommern" dargelegt, wirtschaftliche, soziale und politische Ursachen und war in etlichen kleinstädtischen jüdischen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls erfolgt. Der Nationalsozialismus verfolgte dann durch seine Rassenideologie und antisemitische Maßnahmen das Ziel, die restliche jüdische Gemeinde zu vernichten. In der Pogromnacht vom November 1938 wurde die Synagoge zerstört, der Friedhof geschändet, Geschäfte zerschlagen und geplündert, Menschen verhaftet und abtransportiert. 1939 gab es keine Juden mehr in Teterow.
Jahrzehnte später wurden die umgeworfenen Grabsteine wieder aufgerichtet, wird der verwüstete Friedhof instand gesetzt, unter Denkmalschutz gestellt und in Pflege genommen. 92 Grabsteine sind noch erhalten geblieben. Die älteren Steine sind in hebräischer Schrift, die jüngeren sowohl in hebräischer als auch in deutscher Schrift gestaltet. Am 9. November 1988 werden am jüdischen Friedhof und am ehemaligen Standort der nach der Pogromnacht zwangsweise abgerissenen Synagoge vom Bürgermeister der Stadt Gedenktafeln eingeweiht. (Text zusammengestellt aus Fragebogen von 1998 sowie Anselm Wolter, Teterow, in: "Wegweiser durch das jüdische Mecklenburg-Vorpommern", Berlin 1998, Jürgen Borchert, Des Zettelkastens andrer Teil, Rostock 1988) (Abbildungen im Text von Anselm Wolter: der jüdische Friedhof sowie die Gedenktafel am Eingang, S. 282, Gedenktafel für die zerstörte Synagoge, S. 292, Postkarte Malchiner Str.6 mit Wohn- und Geschäftshaus Nickelsburg, S. 290)