Eisenach – Thuringia (German)

Location: Thuringia
About this community: Eisenach gehört zu den thüringischen Städten, in denen sich bereits sehr früh jüdische Kaufleute niederließen. Sie wurden zu einem wichtigen Faktor im Wirtschaftsleben der aufblühenden Stadt. Zum ersten Mal werden sie in der Stadt um 1235 erwähnt. Ihr bevorzugtes Wohngebiet lag in der Nähe des Marktplatzes. Ihre Toten bestatteten sie auf einem eigenen Begräbnisplatz außerhalb der Stadtmauern vor dem Nikolaitor. Mitten im Zentrum der Stadt lag die "Judengasse", die 1343 durch einen großen Brand in der Stadt zerstört wurde. In der Chronik von Eisenach heißt es dazu:"...sofort wurden den Juden Quartiere und eine Synagoge in der Löbergasse zur Verfügung gestellt." (zitiert nach: Gegen das Vergessen, S. 11) Doch bereits 1349 wurden die Juden für die Pest verantwortlich gemacht und aus der Stadt vertrieben. Zwar konnten viele von ihnen wenige Jahre später zurückkehren, wurden aber 1458 erneut vertrieben. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde einigen von ihnen als Schutzjuden, gegen die Zahlung eines jährlichen Betrages erstmals wieder der Aufenthalt in Eisenach gestattet. Nach der Aufhebung des Leibzolls 1811 und der weitgehend rechtlichen Gleichstellung aller Juden im Herzogtum Sachsen-Eisenach im Jahre 1850 stieg die Zahl der jüdischen Zuwanderer nach Eisenach an. 1862 waren es bereits sechzehn jüdische Familien und am 11. Dezember 1867 gründeten 72 Mitglieder die "Israelitische Gemeinde Eisenach". Sie konnten auf dem städtischen Friedhof am Wartenberg einen "Guten Ort" anlegen und im Hinterhaus Jakobsplan 12 einen Betsaal einrichten. Da dieser schon bald zu klein wurde, wurde am 5. Januar 1885 die Synagoge in der damaligen Wörthstraße 26 nach den Entwürfen des Eisenacher Architekten Hermann Hahn unter Anwesenheit von Vertretern städtischer und staatlicher Behörden durch Rabbiner Dr. Salzer eingeweiht. Bei dem Gebäude waren romanische Stilelemente verwendet worden. Die Gemeinde verfügte auch über einen Schächter und eine Chewra Kaddischa. 1914 besteht eine blühende Gemeinde mit 400 Mitgliedern. 80 von ihnen kämpften im Ersten Weltkrieg, 23 fielen an der Front. Nach 1933 konnten etliche jüdische Familien fliehen. In der Pogromnacht 1938 wurden die jüdischen Geschäfte zerstört, die Synagoge geschändet und in Brand gesteckt. Die Häuser um die Synagoge erhielten Feuerschutz, während die Synagoge abbrannte. Ihre Mauerreste wurden wenige Tage später gesprengt. Die meisten Juden aus Eisenach wurden deportiert, unter ihnen auch der Kinderarzt Dr. Siegfried Wolff. Nur wenige von ihnen sind aus Auschwitz und Maidanek zurückgekehrt. Im September 1947 wurde am Ort, wo die Synagoge gestanden hatte, eine Gedenktafel mit einem siebenarmigem Leuchter und einem Davidstern mit rotem Glasstein, der das ewige Licht symbolisieren soll, aufgestellt. Sie war die erste, die auf dem Gebiet der späteren DDR geschaffen wurde und blieb für Jahrzehnte der einzige Versuch, an das Schicksal einer jüdischen Gemeinde während des Nationalsozialismus zu erinnern. Vor dem Mahnmal in den Boden eingelassene Steinplatten deuten die Umrisse der Synagoge an ihrem ehemaligen Standort an. "Den ersten Gottesdienst am Mahnmal leitete Rabbiner Joachim Freiberg aus Magdeburg mit dem hebräischen Gesang aus der 'Totenfeier' von Louis Lewandowski ein. Mit einer Minute stillen Gedenkens ehrten die Anwesenden die zu Tausenden ermordeten Juden." (zitiert nach: Gegen das Vergessen, S. 36)
Die Gedenkanlage steht unter Denkmalschutz.
Auf dem jüdischen Friedhof waren nach seiner Schändung in der Pogromnacht 1938 noch etwa 80 Grabsteine erhalten geblieben. "Die meisten Grabmale aus Sandstein sind in Form einer Stele gestaltet und tragen als oberen Abschluß einen Giebel mit Akroterien oder einer Palmette, andere sind aus schwarzem Granit als schlichte Säule oder schmucklose Stele gearbeitet. Von den relativ homogen wirkenden Steinen weicht ein Steinsockel aus grob behauenen Steinen ab, auf dem ein plastisch gestaltetes aufgeschlagenes Buch liegt. Nahezu alle Inschriften sind in hebräischer und deutscher Sprache abgefaßt." (zitiert nach: Monika Kahl, Denkmale jüdischer Kultur in Thüringen, S. 59-60)
Sources: Text zusammengestellt aus:
Gegen das Vergessen, Spuren jüdischen Lebens in Eisenach, Gotha, Schmalkalden, Herausgeber: Jüdische Landesgemeinde Thüringen, Eisenach 1988; Photos von Friedhof, Synagoge, Deportationen, Synagogen-Mahnmal;
Monika Kahl, Denkmale jüdischer Kultur in Thüringen, Leipzig 1997;
Michael Brocke u.a., Stein und Name, Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland, Berlin 1994;
Located in: Thuringia